Auf dem schallgedämpften Sommerfest laufen die Flugkarussell

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Merkur

ZEHN TAGE RIESENRAD

Auf dem schallgedämpften Sommerfest laufen die Flugkarussells


Erst gab der Schausteller-Pfarrer seinen Segen, dann eröffnete der OB mit dezentem Fassanstich das 56. Tübinger Sommerfest.

MARIO BEISSWENGER
[Kein Bild mehr vorhanden]:http://www.tagblatt.de/cms_media/module_bi/215/107718_0_mittel_640_008_407859_0803r10.jpgDem Oberbürgemeister (ganz hinten) war es gestern noch nicht nass genug. Bei seiner Wildwasserfahrt zur Eröffnung des Sommerfestes hielt er die fröhlich winkende Hand über seine Mitfahrerinnen. Bild: Sommer
Tübingen. „Endlich kann ich von zu Hause wieder ein Riesenrad sehen.“ Für Richard Gebauer aus Kilchberg ist dieses Jahr wieder ein richtiges Sommerfest, wie er es gerne hat. Er gehörte zur Gruppe der Ehrengäste, die gestern Nachmittag das Fest offiziell eröffneten.
„In diesem Jahr ist alles anders“, versprach Horst Kunz, Vorsitzender des Bürger- und Verkehrsvereins (BVV) in seiner Eröffnungsansprache. Tatsächlich ist vieles neu. Die Aalener Schausteller-Familie Kübler organisiert das Fest und hat diesmal mit 55 Beschickern ein Drittel mehr Fahrgeschäfte nach Tübingen gelockt als letztes Jahr. Nicht nur das 40 Meter hohe Riesenrad, sondern auch ein Flugkarussell, das die von Angstlust getriebenen Festbesucher nochmal zehn Meter höher schraubt.
Heinrich Fischer, Chef der Mössinger Brauerei war sichtlich zufrieden, dass regionales Bier ausgeschenkt wird. „Das braucht doch nicht von weiß der Gott woher kommen.“ Fischer chauffierte dann auch den OB mit seinem Oldtimer einmal über den Platz, bevor Boris Palmer mit zwei gekonnten Hammerschlägen das Fass anzapfte.
Zum ersten Mal in Tübingen war auch der Leiter der evangelischen Zirkus- und Schaustellerseelsorge. Horst Heinrich weihte die neue Kinderachterbahn ein, die direkt am Eingang steht. Volksfeste, so sagte der Pfarrer, „sind ein Bestandteil der Kultur, der erhalten bleiben sollte“. Wenn er dabei mit Gottes Segen helfen könne, komme er gern zu den Schaustellern.
Beim Festrundgang entdeckte der Oberbürgermeister auch eine echte Rarität. Im hinteren Teil beim Freibad steht eine Konzertorgel aus dem 19. Jahrhundert. Das gute Stück spielt die Begleitmusik zu einem Kinderkarussell. Für den energiebewussten Ehrengast setzte Besitzer Jörg Schramm das Gerät sogar mit Muskelkraft in Gang.
Die Attraktionen bedeuten aber auch mehr Lärmbelastung für die Anlieger jenseits des Neckar am Schlossberg-Südhang. Gabriele Eberle, Geschäftsführerin vom Bürger- und Verkehrsverein, verspricht zwar, durch die Einschränkungen des Festbetriebs (siehe Info-Box) „die Anwohner nicht über Gebühr zu strapazieren“. Auch Sabine Schmincke, Pressesprecherin der Stadt hofft, „dass es anwohner-verträglich ist“.
Doch Sabine Lüllich ist sich nicht so sicher, ob das klappt. Die CDU-Stadträtin fungiert zusammen mit dem Richter Sierk Hamann als Sprecherin der Anwohner. Sie hat „noch ein bisschen Bedenken“, ob die Festregeln wirklich greifen. „Wir sehen mal, wie es geht.“ Manche seien durch den Trötenlärm der Vuvuzelas ohnehin schon angefressen. Wenn dann noch das Sommerfest dazu kommt, sei es vielleicht zu viel. „Die vielen Kleinigkeiten sind das, was nervt.“
Festorganisator Dietmar Kübler, der vier Jahre Erfahrung mit einem Fest in Ellwangen hat, meint, alles getan zu haben von der geschickten Aufstellung der Buden, die möglichst wenig Lärm Richtung Neckar durchlassen sollen bis zum schallgedämpften Feuerwerk, das dieses Jahr mit weniger Knalleffekten auskommt. An der wieder ausgedehnten Festdauer auf zehn Tagen ließe sich nicht rütteln, sagt Kübler, wenn attraktive große Fahrgeschäfte nach Tübingen kommen sollen.
Zwei Wochenenden für Großkarussells

Deren Aufbau lohne sich nur, wenn sie an den Wochenenden laufen. Da bisher in Tübingen dienstags Schluss war und die Schausteller nachts nicht abbauen durften, reichte bei einem Riesenrad einfach die Zeit nicht, es an einem anderen Ort am Freitag wieder am Laufen zu haben. Solche Attraktionen seien aber für Tübingen angemessen. Es sei schließlich das Tübinger Sommerfest – und „Tübingen ist kein Nebennest“.
Die Festregeln fürs Zehn-Tage-Feiern

Um das wieder auf zehn Tage verlängerte Sommerfest für die Anwohner erträglich zu machen, gibt es ein paar Regeln. Musikveranstaltungen sind nur an sieben Tagen erlaubt. Das liegt an der Vereinbarung, auf dem Festplatz nur an zehn Tagen im Jahr Musik zu haben. Drei Tage hat das Afrikafest schon aufgezehrt. Außerdem geht der Festtrubel nur freitags und samstags bis 24 Uhr, bis auf den Mittwoch (Ende 23 Uhr) ist sonst schon um 22 Uhr Schluss. Die Anwohner wurden mit einer Telefon-Nummer versorgt, bei der sie sich beschweren können, falls sie sich doch gestört fühlen. Der Veranstalter misst auch selbst die Lautstärke.

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