Auf dem Volksfest aufgewachsen

Mack Rides

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Auf der Kirmes aufgewachsen


Wenn Töchterchen Kim müde ist, dann hält sie ihren Mittagsschlaf. So wie andere Kinder in ihrem Alter auch. Ungewöhnlich ist nur, dass die Zweijährige dies gerne im Kassenhäuschen des Disco-Jets ganz in der Nähe ihrer Mutter Nicole macht. „Die Leute schauen dann ganz verwundert. Aber trotz voller Lautstärke schläft sie seelenruhig“, sagt Schausteller Arno Heitmann. Wenn nach Feierabend die Musik ausgeht, wird die Tochter im Wohnwagen regelmäßig wieder wach. Kein Wunder, Kim trägt schließlich dieselben Schausteller-Gene in sich wie ihr Vater Arno Heitmann.

Der 32-Jährige Spross der Schausteller-Dynastie mit einer 200-jährigen Geschichte ist genau wie jetzt Tochter Kim auf der Kirmes groß geworden. Mit 16 Jahren stieg er in den Familienbetrieb ein, und seit fünf Jahren führt Arno Heitmann den Musik-Express, der zur Telgter Kirmes gehört wie kaum ein anderes Fahrgeschäft. Als Inhaber ist er für die Logistik, Buchführung und das Kassengeschäft zuständig.


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Tagein, tagaus auf der Kirmes leben – bei diesem Gedanken bekommt so manches Kind leuchtende Augen. Für Arno Heitmann ist dies seit seiner Geburt Alltag. Erst als er in die Grundschule kam, wohnte er bei Pflegeeltern in Münster. An den Wochenenden besuchte er seine Eltern dann auf den Jahrmärkten der Region. Bis zur zehnten Klasse war Heitmann Internatsschüler auf der Loburg. Jedes zweite Wochenende und in den Ferien war auch dann die Kirmes sein Zuhause.

„Unter meinen Klassenkameraden war es nie ein großes Thema, dass ich aus einer Schaustellerfamilie komme“, erzählt Arno Heitmann. Als „bunter Vogel“ habe er sich nicht gefühlt. Für ihn selbst war die Kirmes nie etwas Besonderes: „Es ist genau wie bei einem Kind, dessen Vater Feuerwehrmann ist. Dann ist das auch nichts Außergewöhnliches mehr, während andere Kinder noch große Augen machen.“

Auf den Keks gegangen ist ihm seine Kindheit nie. „Sonst wäre ich selbst bestimmt kein Schausteller geworden. Ich hätte auch in einem anderen Beruf die volle Unterstützung meiner Eltern gehabt.“

Heute hat sich auf den ersten Blick nicht viel geändert. Auf 24 Volksfesten ist der Disco-Jet vertreten. Neun Monate im Jahr sind die Heitmanns im Umkreis von knapp 200 Kilometern um Münster herum unterwegs. Zwar bauen Arno und Nicole Heitmann gerade in Münster eine Wohnung um, um wenigstens im Winter ein festes Dach über dem Kopf zu haben, aber bis jetzt leben sie noch das ganze Jahr über in ihrem Wohnwagen. „Der ist aber nicht mit den normalen Camping-Wohnwagen zu vergleichen. Er wiegt 20 Tonnen und kann nur mit einem Lastwagen gezogen werden. Durch ausziehbare Erker kommen wir auf 55 Quadratmeter Wohnfläche“, so Heitmann. Auch die Ausstattung sei so, dass man dauerhaft in dem Wagen wohnen könne. Manche Wohnwagen-Hersteller hätten eigens Modelle für Schausteller im Angebot. „Die sind dann mit einem Festwasser-Anschluss, einer besseren Heizung und zum Beispiel einem Ceran-Kochfeld ausgestattet.“

Wochenende und freie Tage gibt es für Arno Heitmann nur im Winter: „Im Januar versuche ich immer, eine ruhige Kugel zu schieben.“ Ansonsten wird an allen Wochenenden und Feiertagen gearbeitet. Weil die komplette Verwandtschaft, vom Vater und den Brüdern bis zu Onkel und Tante, ein Schaustellerleben führt, finden große Familienfeste wie Hochzeiten oder Taufen meist im Februar oder März statt.

In Telgte ist Arno Heitmann seit Dienstag. Eineinhalb Tage dauert es, bis der Disco-Jet aufgebaut ist. Wenn nach dem MGM die Lichter ausgehen, ist der Abbau in der Nacht in nur sechs Stunden erledigt. Am nächsten Tag geht es weiter nach Herzebrock.
 

Ulrich Ohlmann

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wow respekt für die schausteller,den ganzen sommer über immer reisen von ort zu ort,und nie ne ruhige minute zu haben
ich könnt mir auch vorstellen ein karusell zu haben mal aber ob das in der realität mit buchhaltung ect wirklich geht....
ein schaustellerleben ist hart.....
 
S

Schausteller_Lady85

Nicht nur Hart sondern auch viel stress aber man wachst damit auf und kennt es nicht anders das schlimmste was passieren kann wenn irgendwas kaputt geht
 
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