Konzept des Andreasmarktes in Wiesbaden sorgt für Ärger

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Merkur

Dder älteste Markt der Stadt, wurde mehrfach schon totgesagt und soll nach dem Willen der Stadt Wiesbaden auf einem neuen Gelände, den Gibber Bleichwiesen, eine neue Zukunft erhalten. Dass der etwa 650 Jahre alte Andreasmarkt unter Federführung der Gibber Kerbegesellschaft in diesem Oktober als „Biebricher Herbst- und Andreasmarkt“ mit neuem Konzept an den Start


gehen soll, das hat die Stadtverordnetenversammlung auf Vorlage des Magistrates bereits im September 2009 auf den Weg gebracht und die Traditionsveranstaltung aus der Wiesbadener Marktsatzung gestrichen. Dagegen und gegen eine Verlegung aus dem innerstädtischen Westend an die Biebricher Peripherie wendet sich jetzt eine „Initiative Freundeskreis Andreasmarkt“
bestehend aus Schaustellern, Marktbeschickern und einigen Anwohnern in einem Brief an Oberbürgermeister Helmut Müller sowie die Fraktionsvositzenden von CDU, SPD und FDP.

Wie der Unterzeichner Rainer Zimmer, Betreiber des Fahrgeschäftes „Musik-Express“, sagt, sei er durch den Deutschen Schaustellerverband auf die neue Rechtssprechung aufmerksam gemacht worden. Das Bundesverwaltungsgericht, darauf verweist Zimmer nun in seinem Brief, habe auf die Klage eines Beschickers auf die Privatisierung des Offenbacher

Weihnachtsmarktes hin festgestellt, dass im Sinne der Daseinsvorsorge eine Gemeinde sich nicht der Verantwortung für die Planung und Durchführung eines Volksfestes entziehen könne. Im Klartext: Die Stadt Wiesbaden dürfe den Andreasmarkt gar nicht aus ihrer Marktsatzung streichen und müsse dafür sorgen, dass das Volksfest weiterhin auf dem Elsässer Platz oder einem anderen (inner-)städtischen Grundstück stattfinden könne. Dies, so Zimmer weiter, könne auch in Trägerschaft der Wiesbaden


Marketing geschehen – die Verantwortlichkeit der Stadt bleibe dabei erhalten, „nicht aber bei einem Kirmesverein“. Zimmer hält daher die Vorgehensweise der Stadt für rechtswidrig und schließt eine Klage über den Deutschen Schaustellerverband nicht aus.

Endgültiges Aus oder vielversprechender Neuanfang?

Während das Rathaus über Pressesprecher Siggi Schneider den Erhalt des Schreibens bestätigt und es nun prüfen will, meint Martin Michel von Wiesbaden Marketing, dass dem Andreasmarkt im Prinzip doch nichts Besseres passieren könne, als ein



Neustart mit zukunftsfähigem Konzept und passenderer Infrastruktur als bisher. Im verdichteten Westend habe der Markt seit langem ein immer kümmerlicheres Dasein gefristet und sei wegen der Parkplatzproblematik auch heftig umstritten gewesen. Laut Michel seien Gespräche mit der Kerbegesellschaft und dem Schaustellerverband geführt worden und er sei zuversichtlich, dass „ein reibungsloser Übergang stattfindet“.

Das sieht auch Hans-Jürgen Hubert von der Gibber Kerbegesellschaft (GKG) so, dem ein Herbst- und Andreasmarkt in Biebrich vorschwebt, der am Konzept des Hochheimer Marktes ausgerichtet sein könnnte. Also durchaus Rummel mit Fahrgeschäften und Riesenrad, aber auch Versorgungs- und Marktfunktionen wie Stände mit Wurstwaren und Haushaltsbedarf. „Wir haben unsere


Fühler bereits in verschiedene Richtungen ausgestreckt, etwa Molkereien angeschrieben oder Kleintierverbände“, so Hubert. „Wir brauchen Gewürzstände, Infos für Familien, denken auch an einen kleinen Wollmarkt“. Beim Verschmelzen des bisher zweimal ausgerichteten Herbstmarktes mit dem Traditionsfest will Hubert durchaus vom alten Namen profitieren: „Der Andreasmarkt hat einen guten Namen in Wiesbaden, der ist jedem bekannt.“

„Das Sterben des Andreasmarktes fing doch bereits Ende der 70er an, als die Stände in den Straßen verschwanden“, erinnert sich Westend-Ortsvorsteher Michael Bischoff. Er bedauert den Wegzug des Volksfestes nicht, zuletzt sei immer weniger


losgewesen, die Verkehrsproblematik habe den Nutzen überwogen: „Mitten in der Stadt ist das nicht mehr zeitgemäß, und die Leute haben doch längst mit den Füßen abgestimmt.“ Schausteller Rainer Zimmer sieht die Ursache für den Niedergang indes woanders: Der Markt sei schlechtgeredet worden, „weil die Stadt ihn weghaben wollte“, befindet Zimmer. Das Frühlingsfest an gleicher Stelle sei dagegen geblieben.


Quelle:

http://www.wiesbadener-kurier.de/region/wiesbaden/meldungen/8147412.htm
 

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