Nostalgisches Karussell brannte nieder

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Oliver Koscherkewitz

Das Fahrgeschäft war für viele Rummelplatzbesucher eine nostalgische Erinnerung an die eigene Kindheit und an längst vergangene Kirmeszeiten. Seit gestern ist das „Kinder- und Sportkarussell“, das auf der Kaller Kirmes auch noch am heutigen Montag für leuchtende Kinderaugen sorgen sollte, indes nur noch ein Trümmerhaufen. Das Rundfahrgeschäft für die kleinen Freunde vergnüglicher Kirmesplatzatmosphäre wurde gestern in den frühen Morgenstunden durch ein Feuer komplett zerstört.

Der Kaller Löschzug rückte unter Führung des Gemeindebrandinspektors Harald Heinen mit rund 20 Mann an. Sie konnten das Feuer rasch unter Kontrolle bringen; das Karussell war allerdings nicht mehr zu retten. Heinen konnte allenfalls noch der Tatsache positive Seiten abgewinnen, dass nicht noch mehr passiert war: „Sehr gut, dass Hubert Schmidt da war.“ Der 66-jährige Schmidt hatte eine Art Wachdienst in der Bürgerhalle übernommen, die in früheren Jahren während der Kirmes schon häufiger von Vandalen heimgesucht worden war. Heinen: „Ohne seine schnelle Alarmierung hätte das Feuer leicht auf das direkt neben dem Karussell gelegene Sportheim des Kaller SC übergreifen können.“

Schmidt hatte die Feuerwehr gegen 5.50 Uhr alarmiert. „Ich sah dichten Rauch über dem Karussell aufsteigen.“ Als die Wehr eintraf, hatte sie es laut Heinen mit einem „Brand in voller Ausdehnung“ zu tun.

Der Eigentümer des Karussells, ein Schausteller aus Zülpich, rang beim Anblick der Trümmer sichtlich um Fassung. Der Mann war ebenso zu seinem zerstörten Fahrgeschäft geeilt wie Peter Loosen, der dem Schaustellerverband Aachen vorsitzt. Für den Betreiber des vernichteten Fahrgeschäfts stand fest, dass ein Brandstifter das Feuer gelegt haben muss: „Wenn ich dem begegnen sollte!“ Alle Stromquellen, die einen technischen Defekt ausgelöst haben könnten, seien abgeschaltet gewesen. Das Fahrgeschäft, das noch nach alter Väter Sitte überwiegend aus Holz errichtet wurde, sei im Jahr 1961 erbaut worden und daher nicht zu ersetzen. Aber, vor allem: „Wovon sollen wir jetzt leben?“, fragte sich gestern der Schausteller.

Der Mann habe seine wirtschaftliche Existenzgrundlage verloren, meinte auch Loosen, der selbst einen Auto-Scooter betreibt: „Versichert sind wir zwar alle.“ Aber der komplette Verdienstausfall über längere Zeit sei für seinen Kollegen das entscheidende Problem. Den Anschaffungspreis für ein neues Kinderkarussell bezifferte Loosen auf „300 000 Euro, wenn nicht noch 50 000 mehr“. Aber so ein Karussell, wie das seines Kollegen, sei heutzutage gar nicht mehr zu bekommen.

Gemeindebrandinspektor Heinen und ein Kripo-Beamter aus Euskirchen, der Einsatzbereitschaft hatte, konnten sich gestern über die Brandursache noch nicht äußern. Brandsachverständige der Euskirchener Kripo würden nun ermitteln.

Das abgebrannte Fahrgeschäft wurde rundum abgesperrt, damit Kirmesbesucher keine Spuren verwischen. Außerdem seien die zerstörten Motorrädchen und die teilweise scharfkantigen Überreste der anderen Miniaturfahrzeuge für Kinder gefährlich, betonte der Kripo-Beamte. Die Kaller Kirmes könne aber weitergehen. Das für heute Abend angekündigte Feuerwerk wird indes gestrichen. Die Schausteller, die für dieses Schauspiel aufkommen wollten, stellen das Geld nun ihrem in Existenznot geratenen Kollegen zur Verfügung.
 
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