[Presse] 42 Knochenbrüche - Alles nur für die Steilwand

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Merkur

42 Knochenbrüche - Alles nur für die Steilwand

Hugo Dabbert ist Deutschlands ältester Steilwandfahrer - Der Schausteller ist mit seinem »Moto-Drom« auf dem Vilshofener Volksfest zu sehen




Seit gut zwei Wochen sind die Aufbauarbeiten am Vilshofener Volksfestplatz in vollem Gange. Morgen geht's los. Und auf die Besucher es Festes wartet eine Attraktion, denn Hugo Dabbert ist mit seinem »Moto-Drom« dabei. Eines der ältesten Auto- und Motorrad-Steilwandgeschäfte der Welt.
Wenn Hugo Dabbert von seinem Leben erzählt, dann spricht er schnell. Denn seine Geschichte ist rasant, hart am Limit, nicht alltäglich. Er ist Steilwandfahrer, seit 49 Jahren. Sozusagen ein Artist auf Rädern. Der mittlerweile 68-jährige Mann bezeichnet sich selbst als den ältesten aktiven Steilwandfahrer der Welt.


Seine Kunststücke präsentiert er zusammen mit zwei weiteren Artisten, entweder auf dem Motorrad oder im Rennauto. Ab 42 Stundenkilometern kleben die Maschinen wie Kletten an der Bande, bis auf 85 Stundenkilometer drehen sie sie hoch. Immer im Kreis, an der Wand entlang, geht es durch die sechs Meter hohe und zehn Meter breite Holztrommel. Etwa das Dreieinhalbfache des Körpergewichts wirkt auf sie ein. Dann geht's erst richtig los und die Zuschauer halten den Atem an. Denn eine Absicherung oder einen doppelten Boden gibt es nicht, wenn die Männer nur mit einem Bein auf der Maschine stehen oder sich aufs Lenkrad setzen. An einem gut besuchten Festtag halten sie diese Belastung bis zu 17 Mal à zwölf Minuten aus.


Weltrekord im
Non-Stop-Fahren
Für Hugo Dabbert ist das ganz normal. So holte er auch 1980 mit sechs Stunden sieben Minuten und 39 Sekunden den Weltrekord im »Non-Stop-Fahren«. »Das war ganz schön anstrengend, irgendwann sieht man nicht mehr viel, wenn man sich dauernd im Kreis dreht. «
Der drahtige Mann mit der dunklen Stimme, die ein wenig an den ebenso coolen Udo Lindenberg erinnert, liebt die Herausforderung, die Geschwindigkeit, das Risiko. So ist er auch damals zum Steilwandfahren gekommen. Als 19-Jähriger besuchte er eine Kirmes in Heilbronn. Dort war ein holländischer Steilwandfahrer, der seine Zuschauer dazu aufforderte zehn Runden in der Kugel zu drehen. Wer es schafft, sollte 500 D-Mark dafür bekommen. »Die Kohle wollte ich haben. Doch nach drei Sekunden lag ich auf der Fresse«, erinnert sich Hugo Dabbert.
Aber ein Indianer kennt ja bekanntlich keinen Schmerz und Hugo Dabbert erst recht nicht: 23 Abstürze und 42 Knochenbrüche zählt er zu seinen Erfahrungen an der Steilwand. »Schlimm waren nur die 13 Rippenbrüche«, sagt er lässig. Wohl auch ein Grund, warum sich Lebensversicherer regelmäßig von ihm abwenden.
Hugo Dabbert ist stolz. Er findet, er hat's geschafft. So arbeitete er zunächst 26 Jahre als Steilwandfahrer bei Schaustellern und 1984 gelang ihm sein persönlicher Coup: ein eigenes Steilwandunternehmen zu gründen. »Dazu bin ich geboren«, sagt er. Wenn es ihm ums Geldverdienen gegangen wäre, dann hätte er mit »diesem Blödsinn« erst gar nicht angefangen. Hugo Dabberts eigentlicher Lohn ist der Applaus der Besucher. Und obwohl das Volksfestgeschäft seit zehn Jahren nicht mehr so gut läuft, kommen sie trotzdem immer noch zu ihm, berichtet er. Er glaubt, es ist die Faszination für das Tempo und die Körperbeherrschung der Artisten, die die Leute immer wieder in den »Moto-Drom« locken. So kommen versierte Bikeprofis, Nostalgiker und Jahrmarktliebhaber zu seiner Show.



Prominenter Gast:
Willy Brandt
Selbst Altkanzler Willy Brandt lächelte ihm schon von der Tribüne zu, stolz zeigt Dabbert die Schwarzweiß-Fotografie. Hugo Dabbert ist herumgekommen. Belgien, Frankreich, Kanada. Auf jedem großen Volksfest wie dem Oktoberfest oder dem Karpfhamer Volksfest ist er zu sehen. »Wen wundert's. Steilwandfahrer gibt es kaum noch. Da sind wir schon 'ne echte Attraktion. « Wann es für den 68-Jährigen an der Zeit ist, die letzte Runde auf dem Motorrad zu drehen? »Vorgestern«, meint er. Eigentlich hätte er schon längst aufhören sollen, doch er kennt nichts anderes, niemand will sein Geschäft übernehmen. »Das, was ich mir mühevoll aufgebaut habe, will ich nicht in die Tonne kloppen und vergammeln lassen. «
Also macht er weiter. Klappert mit seinen »Jungs« und seiner Frau Laila mit den vier Wohnwägen die Volksfeste der Welt ab. Sie hat dafür Verständnis. Die 41-Jährige kommt selbst aus der Branche und lernte ihren Mann beim Showfahren kennen. Aktiv macht sie nicht mehr mit. Doch ganz darauf verzichten will sie auch nicht.
Irgendwann, so hofft Hugo Dabbert, wird er es schaffen, sich vom »Moto-Drom« zu trennen und sich in der Eigentumswohnung bei Hamburg genauso wohl zu fühlen, wie auf dem Volksfestplatz. Bis dahin gibt er aber noch Vollgas.


text:von Philipp Coenen.
quelle: dpa
 
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fire_lady12000

sehr intressanter bericht....ich finde es auch sehr intressant sowas zu fahren.... nur den mut hätte ich ehrlich gesagt nicht dazu :blush-anim-cl:
 
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