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Michael.

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Was passiert, wenn der Rummelplatz Pause macht?




Manche Schausteller nutzen die Ruhetage zum Kurztripp nach Hause oder Schönheitsreparaturen

Zwei Tage lang hielt der Rummel auf dem Festplatz einen Dornröschenschlaf. Dort, wo noch Tage zuvor das dralle Leben pulsierte, Teenies auf Kontaktsuche waren und Ältere gemütlich über den Platz bummelten, herrscht so etwas wie gähnende Leere. Selbst die Schausteller hatten an diesen beiden Tagen das örtliche Geschehen verlassen und die Fahrgeschäfte den Angestellten anvertraut.

Manche jedoch sind "an Bord" geblieben. "Sehen wir etwa danach aus, als ob wir hier pausieren würden?", lacht Charly Reichelt und zeigt zum Beweis seine öligen Hände. Charly Reichelt, der seit seinem elften Lebensjahr mit Schaustellern durch die Welt reist, sowie sein polnischer Kollege machen sich daran, die Autoskooter der Firma Fritz und Ariane Haas zu warten. "Da muss mal eine neue Glühlampe einsetzt werden oder es fallen kleinere Reparaturen an", gibt Reichelt, der sich als "Mädchen für alles" bezeichnet und für den Auf- und Abbau zuständig ist, einen kleinen Einblick in seine Tätigkeit am Rande des Rummels.

Auch Franz Kaiser hat die freien Tage dazu genutzt, um Einkäufe zu tätigen, und vertraute in dieser Zeit die neun Ponys seinem Mitarbeiter Ingo Schubert an, der seit zwei Jahren für den Unternehmer arbeitet. "Die Tiere müssen jeden Tag versorgt werden, da muss der Stall ausgemistet, die Reitbahn gesäubert und die Tiere gestriegelt werden", beschreibt er seine Tätigkeit. Im Allgemeinen sei das Geschäft in diesem Jahr nicht allzu toll gelaufen, bemerkt er: "Die Leute haben halt weniger Geld".

Doch für eine lange Unterhaltung bleibt ihm keine Zeit. Die Ponys, die sich in ihrem Stall langweilen, fangen an, sich gegenseitig zu treten. "Die sind wie kleine Kinder, die müssen sich auch immer streiten", entschuldigt er sich und wendet sich der noch zu verrichteten Arbeit zu.

Unter den Argusaugen von Gurgul Grzegorz schrubben fünf Mitarbeiter des höchsten Karussells das Gestänge und die Stege zum Fahrgeschäft. Grzegorz, der schon seit elf Jahren mit der Familie Goetzke reist, kennt das Geschäft gut. "Der Umsatz war bislang recht mäßig", bekennt er. Obwohl der Star Flyer die Attraktion des diesjährigen Marktes ist. Man sitzt völlig frei, hängt nur an dünnen Ketten, ohne Schulterbügel. Langsam geht es hinauf in luftige 44 Meter Flughöhe. Die gesamte Stadt liegt unter einem, und mit der Strahlenburg ist man auf gleicher Höhe, quasi auf Du und Du.

Ebenfalls mit kleinen Reparaturen und Verschönerungsmaßnahmen beschäftigt sind die Mitarbeiter des Fahrgeschäftes "Circus". Für den erfahrenen Vorarbeiter Peter Erber lautet die bisherige Bilanz des Rummels: "Sehr verhalten und mäßig besucht". Erber hofft, dass die noch verbleibenden Tage das Geschäft mehr beleben werden und vor allem: "Dass das Wetter etwas besser wird."

© Mannheimer Morgen - 10.03.2006

Angaben ohne Gewähr
 
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