Schausteller Rieger Bericht Spezial..

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Merkur

Zwei Paare in einer sich drehenden Gondel werden vom Fahrgeschäft Panic

mit 106 km/h auf eine Höhe von 42 Meter geschleudert – dann geht es rasant abwärts: Nervenkitzel pur, der jungen Damen spitze Schreie entlockt. Margit Rieger, Schausteller-Urgestein, lächelt. Die 64-Jährige genießt selbst Fahrten mit Panic und X-treme, ihren Attraktionen „für die Harten“.

Sie war ihr Leben lang eine Wilde, sagt sie. Mit ihrem Sohn Ludwig (38) präsentiert sie aber auch Fahrgeschäfte für die ganze Familie: Das 36 Meter hohe Riesenrad, eine Achterbahn, die Wasserbahn, ein Autodrom und die ein wenig wilderen Fahrgeschäfte Chaos und Breakdance.
Amors Pfeil traf in Urfahr

Margit Rieger, eine Viehhändlertochter aus dem Südburgenland, arbeitet seit dem 15. Lebensjahr auf dem Urfahraner Jahrmarkt. Im Herbst des kommenden Jahres wird sie zum hundertsten Mal auf dem Jahrmarktgelände an der Donau sein. Hier lernte sie 1966, als sie für eine Firma „an einem wunderschönen Stand“ arbeitete, ihre große Liebe Peter Rieger kennen.

Er besaß damals nur ein kleines Autodrom und saß hinter der Kassa. Sie gab nach der Arbeit viel Geld fürs Autodromfahren aus und wurde von ihm auf ein Getränk eingeladen. Wenig später Verlobung und Hochzeit. Margit Rieger hat das Schaustellergewerbe von der Pike auf gelernt.

Nach 42 glücklichen Ehejahren wurde die Burgenländerin, sie sich längst als Oberösterreicherin fühlt, im Vorjahr Witwe. Seither führt sie mit ihrem einzigen Sohn Ludwig den mit 63 Mitarbeitern größten Schaustellerbetrieb auf dem Jahrmarkt und hilft, wo sie gebraucht wird.

Besucher, die sich amüsieren, ahnen nicht, wie viel Arbeit hinter den Kulissen geleistet werden muss. „Wir sind Spediteure, organisieren Spezialtransporte, tragen bei den Auf- und Abbauten und beim Bedienen der Fahrgeschäfte große Verantwortung, sitzen hinter der Kassa und müssen aufpassen, dass sich alle anschnallen“, sagt Margit Rieger. Die Buchhaltung muss auch noch erledigt werden.

Die Arbeit hat ihr immer großen Spaß gemacht, und seit dem Tod des Gatten ist sie eine willkommene Ablenkung. Ihr Sohn, der Betriebswirtschaftslehre studiert hat und eigentlich einen anderen Beruf ausüben sollte, ist seit seinem 26. Lebensjahr mit großem Einsatz Schausteller.

Foto: Margit Rieger

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Dass sie von Anfang März bis Ende November mit ihrem Wohnwagen unterwegs ist, stört die 64-Jährige nicht. Ihr Wohnwagen ist ihr Zuhause. Es geht ihr nichts ab. Wenn sie im Herbst ins Haus in Wels übersiedelt, muss sie das erst verkraften. Im Winter hat sie Zeit für ihre Hobbys: Ausruhen, Lesen und Wellness.

Einen Blick aus dem Auto in Urfahr hat Margit Rieger kürzlich genossen: „Ich sah das Jahrmarkt-Riesenrad neben unserem Linz09-Riesenrad auf dem Dach beim Passage – so etwas sieht man selten.“
 

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