Tradition kann hart sein -Schausteller Landwermann

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Merkur

Für die Familie Landwermann ist wie für die anderen Schausteller der Greutplatz für ein paar Tage Wohnwagen-Heimat geworden.

Für die Betreiber des Riesenrads gilt aber: Mit Romantik hat das „fahrende Geschäft“ nichts zu tun – aber viel mit Bürokratie, Improvisation und oft unerwarteten Schwierigkeiten.


Schon im 18. Jahrhundert zogen die Vorfahren von Ludwig Landwermann mit dem Pferdewagen von Kirmes zu Kirmes, um Süßigkeiten zu verkaufen. Seine Frau Daniela verkörpert bereits die sechste Generation einer Schaustellerfamilie. Und man spürt diesen

Stolz der Schausteller auf diese Tradition. Aus der Kutsche ist ein blitzsauberer Wohnwagen mit 45 Quadratmetern Wohnfläche in Holz- und Marmoroptik geworden, aus dem Süßwarenstand das ohne Zubehör 1,8 Millionen Euro teure Riesenrad „Caesar’s Wheel“. Mit 38 Metern Höhe die am weitesten in den Himmel ragende Attraktion des Frühlingsfestes.


Der Aufbau des 100-Tonnen-Riesenrads ist das Eine. Aber die Schausteller klagen über mehr Bürokratie, und den Schreibkram, der ihnen das Leben zunehmend schwer macht. Dann gibt es eine Reifenpanne, der Fahrerkonvoi mit den Sattelauflegern und den

Zugmaschinen wurde zugeparkt oder ein anderes unerwartetes Problem tut sich auf. „Man muss flexibel sein und improvisieren können,“ sagt Ludwig Landwermann.
Auch das mit dem Nachwuchs ist ein Problem: Die elfjährige Tochter Amy soll nicht alle paar Tage auf eine neue Schule gehen. Deshalb geht sie in ein Internat. Natürlich sei es


schlimm, sagt Daniela Landwermann, dass sie ihre Tochter teilweise nur alle drei Wochen sieht, und sie die Verwandten öfter als die Eltern sieht. Aber eine gescheite Schulausbildung sei enorm wichtig.
 
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