Volksfest-Aus: Schausteller hupen für die Tradition

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Merkur

Volksfest-Aus: Schausteller hupen für die Tradition

Es klingt nach einer Hochzeit, als die Schausteller ihre mit Luftballons geschmückten Lastwagen und Traktoren hupend durch Neu-Ulm manövrieren, doch der Anlass ist eine angekündigte Beerdigung. Am 23. April beginnt das 107. Neu-Ulmer Volksfest – und wenn nichts geschieht, wird es das letzte sein.

Schausteller demonstrieren gegen die Abschaffung des Neu-Ulmer Volksfestes, auch Schaustellerkind Alexandra (2).Bis aus Osnabrück und Frankfurt sind die Schausteller gekommen, knapp 300 sind es, die sich nach der lautstarken Rundfahrt durch die Straßen Neu-Ulms auf dem Petrusplatz treffen. Dabei haben sie die Fahnen ihrer Vereine – und natürlich ihre Transparente. „Rettet das Neu-Ulmer Volksfest“ steht darauf, oder auch „Eine Stadt ohne Volksfest ist tot“.

Auf dem Festplatz wird eine Multifunktionshalle gebaut

Die Schausteller kämpfen um ein Volksfest, dessen Ende eigentlich schon besiegelt ist. Die Veranstaltung wird der Multifunktionshalle geopfert, die ab Sommer dieses Jahres im Muthenhölzle gebaut werden soll – dort, wo bislang jedes Jahr das Volksfest stattfindet. Die 27,6 Millionen teure Halle, die Neu-Ulm und Ulm gemeinsam finanzieren, soll ab Ende kommenden Jahres Veranstaltungen aus Kultur und Sport für bis zu 6 000 Zuschauer beherbergen. Ein Prestigeprojekt, um das in beiden Städten lange gerungen wurde.

Als die Planungen begannen, war freilich noch von einem Alternativstandort für das Volksfest die Rede. Doch dem Stadtrat waren in Zeiten knapper Kassen 1,5 Millionen Euro Erschließungskosten zu viel für ein Fest, das gerade einmal 16 Tage dauert. Für die Schausteller ein Skandal, brechen ihnen doch wichtige Einnahmen weg.

Mehrere Schausteller aus der Region bereiten zudem eine Klage gegen die Stadt vor. Dabei berufen sie sich auf ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts, dass Städte Traditionsveranstaltungen wie Volksfeste nicht einfach absagen dürfen. Eine vorübergehende Verlegung auf die württembergische Donauseite in die Friedrichsau, wo im Juli das Ulmer Volksfest stattfindet, lehnen die meisten ab.

Die Betreiber von Buden und Fahrgeschäften wollen sich nicht selbst Konkurrenz machen. Und das Neu-Ulmer Volksfest ist eben auch ein bayerisches Volksfest.

Entsprechend oft ist auf dem Petrusplatz das Wort „Tradition“ zu hören. Auch vom lokalen Schausteller-Präsidenten Manfred Winter. Das Fest sei „gesellschaftlicher Höhepunkt“ und „kulturelle Begegnungsstätte“, lobt er.

Es garantiere allen Spaß, auch dem „Normalbürger“, der sich die teuren Veranstaltungen in der Multifunktionshalle nicht leisten könne. Der Applaus ist ihm und den anderen Rednern sicher: Unter das fahrende Volk haben sich allerdings nur wenige Bürger gemischt. Doch die Schausteller wollen nicht aufgeben. Sie haben schon angefangen, bei den Neu-Ulmern Unterschriften für einen neuen Volksfestplatz zu sammeln.

quelle:Stadt Neu-Ulm
 
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