Volksfest-Schausteller Dirk Freitag im Interview

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Lübeck - Nie war das Lübecker Volksfest so schlecht besucht wie in diesem Jahr. Nach Ansicht von Schausteller Dirk Freitag ist aber nicht der Standort auf dem Festplatz an der Travemünder Allee Schuld an der Misere.

Lübecker Nachrichten: Heute vor einer Woche ging das Volksfest zu Ende. Sind Sie froh, dass es vorbei ist?
Dirk Freitag: Nein, ganz und gar nicht. Gerne hätte ich aber ein Volksfest ohne WM gehabt.

LN: Haben Sie denn gute Geschäfte gemacht?
Freitag: Das nicht unbedingt, aber ich bin wohl mit Plus-Minus-Null hingekommen.

LN: Einige Schausteller-Kollegen haben nach eigenen Angaben mächtig draufgezahlt.
Freitag: Das kann schon sein. Da muss jeder für sich sprechen. Ich kenne deren Kosten und Einnahmen nicht.

LN: Das Volksfest war also erfolgreich?
Freitag: Mittwochs und freitags war der Platz ganz gut besucht.

LN: Das reicht?
Freitag: Natürlich nicht, aber die Bedingungen in diesem Jahr waren besonders schwierig.

LN: Warum?
Freitag: Das superheiße Wetter und die Fußball-WM haben uns schon viele Besucher gekostet.

LN: Aber im letzten Jahr waren die Schausteller auch schon unzufrieden. Der Festzeltwirt hat sogar vorzeitig abgebaut. Da gab es keine Weltmeisterschaft.
Freitag: Das ist richtig, aber der Zeltwirt ist wohl auch mit überhöhten Hoffnungen angetreten. Mit den Zahlen vom letzten Jahr konnten die meisten aber leben.

LN: Ist es vielleicht nicht etwas einfach, alles auf die ungünstigen Rahmenbedingungen zu schieben. Müssen die Schausteller nicht auch über neue Wege und Konzepte nachdenken?
Freitag: Ja, das sollten wir. Es wird auch wieder einen runden Tisch geben. Dort werden Schausteller und das Marktamt nach neuen Wegen suchen.

LN: So einen Runden Tisch gibt es doch schon seit Jahren, aber wirkliche Veränderungen hat es nicht gegeben?
Freitag: Stimmt, da hat sich nicht viel getan.

LN: Kann es sein, dass auch von den Schaustellern zu wenig kommt und das Angebot nicht stimmig ist?
Freitag: Damit könnten Sie durchaus Recht haben. Wir müssen uns auch mehr bewegen. Allerdings war der Mix auf dem Volksfest gut und stimmig. Spiel- und Fahrgeschäft waren ausgewogen vertreten. Und die Anordnung der Geschäfte war sehr ordentlich.

LN: Schausteller-Kollegen hadern mit dem Standort an der Travemünder Allee. Sie wünschen sich einen Umzug näher an oder gar in die Stadt.
Freitag: Die Stimmen gibt es, aber ich halte den Standort für gar nicht so schlecht. Das Volksfest hat hier Tradition und auch der Festplatz hat Bestandsschutz. Ein Umzug in die Stadt ist kein Allheilmittel. Das sehen wir ja beim Frühjahrs- und Herbstmarkt an der Musik- und Kongresshalle. Der jetzige Festplatz ist schon okay und bietet viele Möglichkeiten der Gestaltung. Eine Verlagerung zu einem anderen Platz wäre wohl schon aus Kostengründen nicht denkbar. Vor Jahren war ja schon ein Umzug zur Lohmühle angedacht und dann wieder verworfen worden.

LN: Und wie kann das Volksfest wieder aufleben? Nur mit der geforderten freien Zufahrt für Autos auf den Festplatz ist es ja wohl nicht getan.
Freitag: So wie es früher einmal war, wird es nie mehr sein. Darüber müssen wir uns alle im Klaren sein. Wenn man einen Hansapark in der Nähe hat, ist der Reiz, einen Rummel zu besuchen, einfach begrenzt. Eine freie Zufahrt zum Platz würde aber schon ein wenig helfen. Dann hätten wir auch schon im Vorfeld mal positive Presse.

LN: Und wie könnte sich der Lübecker Rummel weiterentwickeln? Muss man nicht über zusätzliche Events oder Unterhaltungsangebote nachdenken. Beispielsweise Kleinkünstler und Akrobaten, die die Besucher wie beim Duckstein-Festival animieren und begeistern.
Freitag: Das werden wir bestimmt mit aufnehmen und ich hoffe, dass so etwas schon im nächsten Jahr umsetzbar ist.

LN: Warum funktionieren eigentlich Jahrmärkte in anderen Städten und nicht in Lübeck?
Freitag: Wo sollen die denn funktionieren während einer WM? Die ganze Branche hat es momentan schwer. Das Schützenfest in Hannover, die Jahrmärkte in Peine und Goslar waren auch ganz schlecht besucht. Der Sommermarkt in Neustadt wurde abgesagt und den in Kiel gibt es schon seit einigen Jahren nicht mehr.

LN: Und wird es das Lübecker Volksfest im nächsten Jahr noch geben?
Freitag: Ich hoffe, aber sicher bin ich mir nicht.

LN: Wie soll es denn überhaupt ein Volksfest geben, wenn angeblich 80 Prozent der Schausteller nicht wiederkommen wollen?
Freitag: Das waren Aussagen aus dem Bauch heraus. Mit ein wenig Abstand und neuen Ansätzen werden gewiss viele Kollegen auch wiederkommen.

LN: Weil es gar keine echten Alternativen gibt?
Freitag: (zögernd) Das ist dann wohl auch mit ein Grund.


weiter mit dem Interview: http://www.ln-online.de/artikel/2820889/Volksfest-Schausteller_Dirk_Freitag_im_Interview:_%84Wir_m%FCssen_uns_mehr_bewegen%93.htm
 

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