Was macht ein Karussell zum Sportkarussell?

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Steinigt mich nicht, wenn das Kirmes Grundwissen ist aber ich frage mich ganz oft, warum auf den Chips Kindersportkarussell steht. Liegt das an der Art der Fahrzeuge oder ist das einfach das Gegenteil von Bodenkarussell? In dem Fall könnte ich mir das "Sport" trotzdem nicht erklären. Was genau ist die Definition von Sportkarussell?

Vielen Dank schon mal:)
 

Jankru

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Kein Kraneinsatz beim Auf- und Abbau.

Nee, keine Ahnung. Vermutlich, weil sich die Räder drehen und es an ein Rennen ähnelt, ist aber nur eine Vermutung meinerseits.
 

sven

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Die alten Pferdekarussels -Vorkrieg- bzw. noch früher in den 1880er Jahren z.B. von Limonaire, hatten einen drehbaren Boden mit fest montierter Besatzung. Als Antrieb kam hier teilweise eine Dampfmaschine in der Mitte zum Einsatz die über Riemen das Karussell antrieb. Barockstil und Pferde dominierten das Aussehen. Gerne verwendete man damals auch den Begriff "Schwebemühle" oder "schwebende Bodenmühle". Vorallem Henneke entwickelte in den 1930er Jahren, getrieben durch die Einführung von Elektromotoren (AEG), Schleifringen und kleineren Getrieben das Konzept des Sportkarussells. Modernes zeitgenössisches Aussehen, Märchen und teilweise Walt Disney Bemalung, neuzeitliche Fahrzeuge oder Tierfiguren. Neu war hier, dass sich die Fahrzeuge auf einem festen Boden scheinbar "selbstständig" bewegten. Diesen für die damalige Zeit sehr dynamisch wirkenden Effekt nannte man sportlich - daher Sportkarussell. Das zweite sportliche war, dass die Kinder nicht wie bei alten Bodenmühlen auf den Boden und die Besatzung gehoben werden mussten, sondern alles fast höhengleich und in Augenhöhe erreichen konnten. Ein Effekt der auch für Kinder ansprechender war, schließlich sah man das Feuerwehrauto auf Augenhöhe und schaute nicht wie früher nach oben in ein bedohliches Pferdemaul. Somit wurde im Vergleich zur Schwebemühle auch der "Wechsel" schneller und brachte für seinen Besitzer auch ein wenig mehr Umsatz. In der Nachkriegszeit waren Sportkarussells, oftmals Henneke 16 Säuler und vergleichbare, der Verkaufsschlager der Karussellbranche.
 

AlexT

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Sehr gut beschrieben! Anscheinend wird der Begriff "Kindersportkarussel" nur nicht immer durchgehend verwendet. Bei den typischen Dietz Kindersportkarussels mit Flugcenter lese ich mal nur Kinderkarussel oder mal Kindersportkarussel. :unsure:
 

Omsinator96

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Bei den typischen Dietz Kindersportkarussels mit Flugcenter lese ich mal nur Kinderkarussel

Hier gilt die Devise:
Jedes KinderSPORTkarussell ist ein Kinderkarussell, aber nicht jedes Kinderkarussell ist ein Kindersportkarussell

Man kann (und sollte ...) also den Begriff "Kinderkarussell" eher als Oberbegriff ansehen, unter den dann die "konkreten" Geschäfte wie Bodenmühlen, Kindersportkarussells, Babyflüge, usw. ... fallen

Wenn also jemand (in dem Fall Firma Dietz) seine Geschäfte "Kinderkarussell" nennt, ist das also soweit richtig - Der Begriff "Kindersportkarussell" wäre dann als Spezifizierung zu verstehen
 

sven

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Die Flugcenter wären eigentlich schon wieder einen neuen Artikel wert. Kurz erklärt und dabei wird aus einem Sportkarussell auch schon fast wieder ein Kinderkarussell.
Nachdem in den 1950er Jahren die fast ausschließlich aus Holz gefertigten Sportkarussells in Betrieb waren, musste ja zwangsläufig eine Neuerung her. So entschlossen sich fast alle damaligen Hersteller, vorallem Reverchon, Sattori und Lutz ab Mitte der 1960er Jahre, viereckige Hallen aus Stahl für Ihre Sportkarussells zu verwenden. Der Vorteil lag auf der Hand, ähnlich wie bei einem Autoscooter konnte nach montieren der Sohle, der Dachstuhl quasi auf dem Boden zusammengebaut, die Front und Dachplane montiert werden, ohne auf die Leiter zu steigen. Eine wahnsinnige Kraft, Personal und Zeitersparnis. Anschließend wurde das komplette Dach per Greifzug oder Winde nach oben gefahren. Die neue Stahlkonstruktion brachte gleichzeitig auch mehr Festigkeit. Wie schon bei großen Fahrgeschäften üblich, hielt nun Druckluft und Hydraulik Einzug bei den Kinderkarussells, was die Flugcenter möglich und erforderlich machte. Schließlich hielten die ersten Babyflüge ab Anfang der 1970er Einzug auf unseren Festplätzen und da war ein 16 Säuler Sportkarussell der 50er kalter Kaffee. Jetzt musste es schon ein Sportkarussell mit Flugcenter sein um Konkurrenzfähig zu bleiben.
Dietz ging einen anderen und besseren Weg. Er baute das erste Kinderkarussell als Klappkarussell auf einen Anhänger. Das schleppen aller Teile, die Frage wie der Antrieb transportiert werden soll und vieles mehr entfiel. Da seine Leistung als Meilenstein bezeichnet werden kann, rückte er ganz bewusst von der Bezeichnung Sportkarussell ab und nannte es einfach nur Kinderkarussell.
Was sein Inhaber daraus machte ist wieder eine andere Geschichte, konservative hielten am "Sportkarussell" fest, andere schrieben "Kinderkarussell der neuesten Generation".
Also auch Sportkarussell ist nicht gleich Sportkarussell :wink:
 

sven

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Schön und manchmal auch schön schaurig ist, wenn man sich mal die Arten der Besatzungen im Laufe der Jahrzehnte genauer anschaut und das manchmal auch regionsabhängig. In den 50ern durfte ein Mercedes 300 SL oder ein 356er Porsche auf keinem Henneke fehlen, das Wirtschaftswunder ließ Träume wahr werden. Ebenfalls waren Motorräder neben den immer beliebten Feuerwehr und Polizeiautos Standard. In den 60ern wurde gerne das Thema Weltraum genommen und es verschwand unser Mercedes, er wurde gegen eine Rakete getauscht. Die 70er waren zwar schrill und bunt, leider aber auch durch Terror und den kalten Krieg geprägt und da durfte gerade wenn an Orten des amerikanischen oder britischen Militärs gespielt wurde, der Panzer und ein Willy's Jeep nicht in der Besatzung fehlen (heute undenkbar). Die Achtziger brachten durch neue Serien wieder Farbe ins Spiel. Lkws, Jeeps, selbst Tom und Jerry durften hier nicht fehlen...
 
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Ich saß in meiner Kindheit immer in Zwergnase. Die Hupe war einfach die beste.

Ich hab mal gesehen, dass ein Schausteller so ein puderartiges Zeug auf die Metall-fahrbahn gestreut hat. Hat jemand ne Idee, was das war und wofür? Ich war da recht jung als ich das gesehen habe, vielleicht hab ich mich damals auch verguckt.
 

ghosttrain

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Die 70er waren zwar schrill und bunt, leider aber auch durch Terror und den kalten Krieg geprägt und da durfte gerade wenn an Orten des amerikanischen oder britischen Militärs gespielt wurde, der Panzer und ein Willy's Jeep nicht in der Besatzung fehlen (heute undenkbar).
Irgendwo (meine,in den Niederlanden)gibt es noch ein reisendes Kika,wo ein Panzer drauf ist . . . . .
 
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@sven Einen herzlichen Dank für die wirklich klasse Erläuterung! Ein schönes Thema und man merkt das es doch einige Unterschiede durch die Entwicklungen im Laufe der Jahre gibt. (y)
 
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Schön und manchmal auch schön schaurig ist, wenn man sich mal die Arten der Besatzungen im Laufe der Jahrzehnte genauer anschaut und das manchmal auch regionsabhängig. In den 50ern durfte ein Mercedes 300 SL oder ein 356er Porsche auf keinem Henneke fehlen, das Wirtschaftswunder ließ Träume wahr werden. Ebenfalls waren Motorräder neben den immer beliebten Feuerwehr und Polizeiautos Standard. In den 60ern wurde gerne das Thema Weltraum genommen und es verschwand unser Mercedes, er wurde gegen eine Rakete getauscht. Die 70er waren zwar schrill und bunt, leider aber auch durch Terror und den kalten Krieg geprägt und da durfte gerade wenn an Orten des amerikanischen oder britischen Militärs gespielt wurde, der Panzer und ein Willy's Jeep nicht in der Besatzung fehlen (heute undenkbar). Die Achtziger brachten durch neue Serien wieder Farbe ins Spiel. Lkws, Jeeps, selbst Tom und Jerry durften hier nicht fehlen...

Aber auch die Karussells der Firma Peter spielen hier zwischen Henneke und Dietz eine entscheidende Rolle ...
 
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