Zum 100.mal dabei......

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Zum 100.mal dabei ,Talmarkt Bad Wimpfen


Ein ganz besonderes Jubiläum feiert die Schaustellerfamilie Haas auf dem Wimpfener Talmarkt. Von den bisher 1040 abgehaltenen Traditionsmärkten im Wimpfener Tal, ist die Familie heuer zum 100. Mal dabei.

Über 30 Skooter knallen bei Stroboskopgewitter und künstlichem Nebel aufeinander, ohne dass einer der Fahrer den Führerschein verliert. Die Arena ist immer umlagert von jungen Draufgängern, aber auch Erwachsenen, die bedenkenlos mal so richtig aufs Gas treten können. Haas' Autoskooter steht in Bad Wimpfen seit Jahrzehnten immer an der selben Stelle, im "Bermudadreieck", beim Wurzelsepp und gegenüber dem Break Dancer.

Doch nicht immer ist die Schaustellerfamilie mit Skootern durch die Lande getingelt. Wenn Fritz Haas zurückblickt, erinnert er sich besonders an die Großeltern Karl und Berta Schmidt. Diese beschickte den Talmarkt mit einer Schiffschaukel und einem Karussell, das Strom aus einer Dampfmaschine bezog.

Anfang der dreißiger Jahre schaffte sich die Familie einen Autoscooter an. Es war einer der ersten in ganz Deutschland. Die Riemenscheibe eines Deutz-Bulldogs und ein Elektroumformer lieferten den Strom damals. Auch Rückschläge mussten die Schausteller hinnehmen. Fritz Haas: "In den letzten Kriegstagen traf eine Bombe in Mannheim zwei unserer Jahrmarktsorgeln und zerfetzte sie." Vom Wimpfener Talmarkt haben seine Großeltern immer geschwärmt. "Der Talmarkt ist eine gute Adresse." Auf die Gäste aus Heilbronn, Hohenlohe und dem Kraichgau sei immer Verlass gewesen. Das ist bis heute so geblieben. Die Zeiten sind aber nicht besser geworden: "Wir brauchen heute weit mehr Fahrgäste, um das gleiche Ergebnis zu erzielen", sagt Haas.

Großvater Karl, grinst Haas, sei ein ganzer Kerl gewesen. Der brannte kurzerhand mit der Tochter eines Dorfbürgermeisters durch. Drei Töchter stammen aus dieser Verbindung. Eine davon war die 1913 geborene Gertrud, die Mutter von Fritz Haas senior. Sie heiratete 1939 den DKW-Rennfahrer Fritz Haas.

1941 kam Fritz junior in die Welt des Schaustellergewerbes. Haas baute 1959 das Abitur. Er sollte einen angeseheneren Beruf erlernen, Arzt werden. Daraus wurde aber nichts. Fritz studierte Volkswirtschaft, um letztlich doch in die Fußstapfen des Vaters zu treten.

1966 heiratete er seine Hannelore. Auch eine betriebswirtschaftlich gute Entscheidung: Sie war die Tochter des Fabrikanten für Gondeln und Fahrzeuge für das Schaustellergewerbe. Rudolf Ihle aus Bruchsal war damals Deutschlands einziger Hersteller der "Box-Autos".

Fritz und Hannelore Haas sind stolz auf ihre Tradition. Tochter Ariane ist nach der Bankausbildung jetzt mit in den Betrieb eingestiegen. Und auch der dreijährige Enkel Robin tollt bereits zwischen den vielen Maschinen herum. Ein waschechter Haas eben.



Quelle : Heilbronner Stimme vom 30.06.2005
 
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