Was für ein Konzept schlägst du vor ? Bekannte bezahlbare Bands oder andere Sachen ?
Ich will das Rockzelt zurück aber davon kann man nur Träumen
Wie will man ein großes 5000 Mann Zelt füllen ?
So sah das Programm-Heft 1997 aus, eingerahmt habe ich die unterschiedlichen Rabatt-Aktionen, die jeden Tag durchwechselten und in den lokalen Medien beworben wurden:
Das Zelt war voll damals.
Und bevor jetzt wieder irgendwer um die Ecke kommt und schreibt, „heute ist alles teurer, die Kosten für die Betreiber bla bla bla…“:
In den 90er Jahren, gerade ein paar Jahre nach der Wiedervereinigung unter Helmut Kohl, da waren die Kassen leer, die Arbeitslosenzahlen hoch, die Inflation hoch, die Republik steckte in einer Rezession, keine Spur von blühenden Landschaften.
Was machen gute Geschäftsleute in so einer Phase? Mit Rabattaktionen Stammkunden binden und neue Kunden anlocken. Und das in den Medien bewerben, aber ganz gewiss nicht herumjammern über die gestiegenen Kosten, in der Hoffnung, dass dann die Kunden mitleidsvoll ihre Geldbeutel öffnen.
2002 gab es dann drei große Bierzelte in Nürnberg. Mit einer Konkurrenzschlacht, wo die Maß Bier nachmittags 3 Euro kostete. Auch da waren die Zelte (und deren Balkone im 2. Stock, wie in Straubing oder München) bereits nachmittags voll. Gutes, bürgerliches, familiäres Publikum.
2003 ging dann einer der Festwirte in den Knast, die Medien berichteten darüber, irgendwelche Finanzamt-Geschichten.
Der übriggebliebene Festwirt hat dann in der Folgezeit - quasi als Monopolist - alle Rabatt-Aktionen eingestampft, die Preise astronomisch angezogen, nur noch das unfähigste Personal als Kellner eingestellt.
Und das war der Anfang vom Ende.
Die Stammkunden blieben fern, z.B. mein Vater, der mit seinen Kollegen regelmäßig zum Schlachtplatte-Essen in einer größeren Gruppe aufs Volksfest gingen, sind auf die Stadtteil-Kirchweihen oder die Fürther Kärwa mit ihren damals neu entstehenden Gastro-Flächen auf der Fürther Freiheit ausgewichen.
Mehrere Betreiber-Wechsel konnten die Entwicklung in Nürnberg nicht stoppen. Und der Schausteller-Verband hat dabei zugesehen - vielleicht auch deshalb, weil von 100 vergraulten Bierzelt-Kunden wenigstens 10 anschließend in den ein oder anderen Ausschankbetrieb auf dem Volksfest ausgewichen sind, der von ortsansässigen Schaustellern betrieben wird und durch den Niedergang des Zeltes indirekt profitierte.
Mein Fazit:
Wenn über 10 Jahre hinweg Stammkunden konsequent vergrault wurden, gewinnt man diese nicht innerhalb von einem Jahr zurück. Schon gar nicht, wenn man eine Pressemitteilung raushaut, „Hurra, wir haben wieder ein Bierzelt“, aber dieselben Fehler von früher fortführt. So hat eine Bierzelt-Tradition in Nürnberg keine Zukunft.