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Freizeitparks im Winterzauber
Von Carsten Knop
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03. Januar 2008 Die deutschen Freizeitparks sind Besuchermagneten - rund 22 Millionen Menschen finden Jahr für Jahr den Weg durch die Eingangstore. Aber das Geschäft stagniert auf hohem Niveau. Schon im Jahr 2000 wurde eine Besucherzahl in dieser Höhe registriert. Die Folge sind ein „stahlharter Wettbewerb", „hoher Innovationsdruck" - und Bemühungen, die Öffnungszeiten über die Frühjahr- und Sommermonate hinaus auszudehnen. Gern werden jetzt „zauberhafte Winterwochen" ausgerufen. Zudem wird der Versuch unternommen, über junge Familien bis hin zu Senioren einen größeren Besucherkreis anzusprechen. So fasst Ulrich Müller-Oltay, der Geschäftsführer des Verbandes Deutscher Freizeitparks und Familienunternehmen, die Marktsituation zusammen.

Manche Parks meistern diese Herausforderungen offenbar recht ordentlich. Jedenfalls hat der Europa-Park in Rust bei Freiburg soeben - und damit zum ersten Mal in seiner Firmengeschichte von 33 Jahren - die Rekordmarke von vier Millionen Besuchern in einem Jahr übersprungen. Und das mitten im Winter: Punktgenau zum Jahreswechsel begrüßte die Eignerfamilie Mack am 30. Dezember den viermillionsten Besucher; eine Familie, die zum Jahreswechsel in den 70 Hektar großen Europa-Park gekommen war. Dass es ausgerechnet eine Familie traf, ist kein Zufall.


Die meisten der Parks sind familiengeführt

Der Familienanteil der Besucher erreicht in Rust rund 70 Prozent. Familien haben sich als dankbare und zahlungskräftige Zielgruppe erwiesen. Mit seinem neuen Besucherrekord sieht der Europa-Park, der von den Eignern als größter saisonaler Freizeitpark der Welt bezeichnet wird, seine Position als deutscher Marktführer gestärkt. „Wir blicken als Familienunternehmen auf eine mehr als 227 Jahre alte Firmengeschichte zurück und haben 1975 mit 250.000 Besuchern gestartet", erinnert sich der geschäftsführende Gesellschafter Roland Mack. Die familiäre Firmengeschichte ist älter als der Park, denn zunächst begannen die Macks als Wagenbauer, im Jahr 1870 kam der Karussellbau hinzu, später der Bau auch von jeder anderen Art von Fahrgeschäft - ein Gebiet, auf dem die Macks seit langem Weltmarktführer sind.



Mit ihrer familiären Eigentümerstruktur steht die Europa-Park Mack KG beispielhaft für die meisten deutschen Freizeitparks. „Zahlen zur Umsatz- oder gar Gewinnsituation sind in unserer Branche aus diesem Grund schwer zu bekommen", sagt Verbands-Geschäftsführer Müller-Oltay. "Die meisten der Parks sind familien- oder inhabergeführt." Selbst zur Frage, wer der zweitgrößte deutsche Parkbetreiber hinter dem Europa-Park mit seinem Umsatz von geschätzten 250 Millionen Euro ist, will sich Müller-Oltay nur vage äußern. Zu den größten Anbietern mit jeweils mehr als 1 Million Besuchern gehörten das Phantasialand, der Hansa-Park, der Heide-Park, der Holiday-Park, die Autostadt Wolfsburg, Legoland oder der Movie-Park in Bottrop-Kirchhellen. „Grundsätzlich ist die Struktur der deutschen Freizeitparks sehr regional. Es gibt nur wenige überregional anziehungskräftige Leuchttürme", sagt Müller-Oltay.

Verband der Parkbetreiber will reduzierten Mehrwertsteuersatz

Welche Zukunft das Geschäft grundsätzlich habe, zeigen nach seiner Ansicht aber die großen Investitionen zahlreicher Parkbetreiber aus der jüngeren Vergangenheit. So gebe es im Heide-Park ein neues Hotel und eine neue Achterbahn, im Hansa-Park und im Legoland neue Feriendörfer und auch im Europa-Park ein neues Hotel. In Rust hat die Familie Mack nach eigenen Angaben bisher mehr als 500 Millionen Euro in ihren Freizeitpark investiert. Beschäftigt werden rund 3000 Mitarbeiter, womit das Unternehmen zur treibenden Wirtschaftskraft in der Region geworden ist. Unterdessen wird die Besucherstruktur des Europa-Parks immer internationaler: Die größten Zuwachsraten wurden zuletzt mit Besuchern aus der Schweiz, Frankreich und Österreich registriert. Sowohl die Zahl der Schweizer als auch die der französischen Gäste erreichte 2007 erstmals die Schwelle von je rund einer Million. Und schon jeder vierte Besucher übernachtet in einem der Hotels, die zum Park gehören.

Die Hotels sind nach Angaben des Parks zu mehr als 90 Prozent ausgelastet. Insgesamt stehen knapp 4500 Betten oder Übernachtungsmöglichkeiten zur Verfügung. Ein Hotel, das „Colosseo", wird als Kongresszentrum das ganze Jahr betrieben. Der Park selbst ist seit 2001, dem vom Verband beschriebenen Trend der Zeit folgend, auch über die Weihnachtsfeiertage geöffnet - und schließt in diesem Jahr vom 6. Januar bis zum 15. März seine Tore. In der kalten Jahreszeit will der Park seine Besucher unter anderem durch eine Chagall-Ausstellung mit Kunstwerken aus dem Besitz der Familie Chagall und der Dinner-Show „Cirque d'Europe" mit Kreationen des französischen Sternekochs Emile Jung anlocken, was sich klar an ältere Zielgruppen richtet.

Der Verband der Parkbetreiber geht unterdessen mit dem Wunsch in das neue Jahr, die Parkeinnahmen künftig mit dem reduzierten Mehrwertsteuersatz besteuern zu lassen: „Es ist doch nicht einzusehen, warum Kinos nur den reduzierten Satz abführen müssen und Freizeitparks den vollen", sagt Müller-Oltay. Schließlich freuten sich auch die Bergbahnen über einen ermäßigten Steuersatz.



Text: F.A.Z., 03.01.2008, Nr. 2 / Seite 16
Bildmaterial: dpa
 

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