Schausteller wollen sich nicht beschweren

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Michael Wieland

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Fast sieben Monate stand sein Riesenrad still. Das letzte Mal hatte es sich am 30. Dezember auf dem Rostocker Weihnachtsmarkt gedreht. Danach sollte es in die Winterpause gehen und ab März wieder auf Märkten und Volksfesten stehen - eben so, wie in jedem Jahr. Doch dann kam Corona "und nach und nach wurde alles abgesagt", sagt Sebastian Lorenz.

Dass er heute mit seinem 30 Meter hohen Riesenrad auf dem Hauptmarkt gleich für fünf Wochen stehen kann, bezeichnet er als "Glücksfall". Denn die "Nürnberger Sommertage" bedeuten für die meisten der 70 teilnehmenden Schausteller die erste Verdienstmöglichkeit seit Monaten.

Lorenz hat im Gegensatz zu anderen Kollegen im Winter nicht in neue Geschäfte oder Fahrzeuge investiert. Diese Kollegen müssen jetzt sehen, wie sie die Kosten wieder herein spielen können. Und das bleibt schwierig. Denn von Alltag und normalen Einkünften kann auch bei den Schaustellern noch lange keine Rede sein. So kann auch in Lorenz‘ Riesenrad wegen der Abstandsregeln und Hygienevorschriften nur ein Bruchteil der sonst 300 bis 400 Fahrgäste pro Tag einsteigen. "Aber wir beschweren uns wirklich nicht und sind einfach nur froh, jetzt arbeiten zu können", sagt er. Wobei sein Standplatz ein "echtes Highlight" sei.

So sehr er sich über den Zuspruch der Stadt und der Besucher freut, er bleibt verhalten. "Wir wissen nicht, wie es weitergeht. Es kann ja ganz schnell auch wieder Schluss sein", sagt er. Auch deshalb ist nur mit zwei statt mit vier Mitarbeitern angereist und muss nun doppelt selbst mit anpacken. "Ich kann einfach nicht so viele Kosten produzieren", sagt er. Das sei bitter, weil er deshalb einem Teil seiner festen Saisonkräfte derzeit keine Perspektive bieten könne. Die stammen aus Polen und sind eigentlich auf den Job auf deutschen Volksfesten angewiesen.

 
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