Stellungnahme zum Betriebs- und Aufbauprozess des Höllenblitz
1. Ausgangslage und Rahmenbedingungen
Der Höllenblitz zählt zu den komplexesten reisenden Großanlagen in der Welt. Bereits bei der Übernahme bestand erheblicher Investitionsbedarf, um die Anlage wieder vollständig reisefähig, sicher und betriebsbereit zu machen. Diese Maßnahmen waren technisch anspruchsvoll, zeitintensiv und kostenintensiv – jedoch zwingend notwendig für den Fortbestand auf der Reise. Es stand jedem frei, dieses Projekt zu übernehmen. Sich dennoch dafür zu entscheiden, zeigt unternehmerischen Mut und die Bereitschaft, Verantwortung für ein Großprojekt zu übernehmen.
2. Historische Einordnung – Entwicklung unter Renoldi
In der öffentlichen Wahrnehmung entsteht oft der Eindruck, der Höllenblitz habe in früheren Jahren stets reibungslos funktioniert. Tatsächlich benötigte auch die Firma Renoldi mehrere Jahre, um den Betrieb, die Abläufe und die Logistik der Bahn auf das Niveau zu bringen, das heute rückblickend idealisiert wird. Diese Entwicklungszeit wurde mir nach der Übernahme nicht gewährt. Es ist nicht realistisch, unmittelbar auf dem Endstand eines jahrelang gewachsenen Systems aufzubauen, ohne entsprechende Übergangs- und Anpassungszeit. Und es war gar nicht der Anspruch, da das heutiger Sicht komplett unwirtschaftlich war. Es ist gibt kaum Betrieb die 50 Personen für einen Auf- oder Abbau mit 3 oder 4 Kränen realisieren können.
3. Pandemiebedingte Erschwernisse
Die Anlage wurde vor der Corona-Pandemie erworben. Mit Wiederaufnahme des Reisebetriebs verschlechterten sich die Rahmenbedingungen erheblich:
- Wegfall von Fachkräften, überhaupt Personal für Arbeit in der Höhe und schwere körperliche Arbeit zu finden war eine Herausforderung;
- starke Preissteigerungen bei Material und Transport, unzuverlässige Lieferketten, verlängerte Beschaffungszeiten und begrenzte Kapazitäten spezialisierter Dienstleister.
Diese externen Faktoren hatten direkten Einfluss auf Aufbaugeschwindigkeit, Planungssicherheit, Instandhaltung und Personalstruktur.
4. Aufbau in Bremen – fehlende Vorbereitungsmöglichkeiten
Wie unter dem Vorbesitzer (wobei der über 10 Jahre dort nicht gestanden hatte) üblich, war vorgesehen, bereits während der letzten Wiesn-Woche ein Team zur Vermessung und Vorbereitung des Standplatzes nach Bremen zu entsenden. Dies geschah auch. Diese bewährte Vorgehensweise sorgte in der Vergangenheit für sehr schnelle und effiziente Aufbauprozesse. Uns wurde dieser vorbereitende Arbeitsschritt jedoch untersagt, verbunden mit der Aussage, es gebe keine Sonderregelungen und sämtliche Beteiligten müssten sich vollständig an die offiziellen Aufbauzeiten halten. So mussten wir eine am 29.09. durchgeführte Abflatterung wieder entfernen und durften noch nicht Unterpallungsholz verteilen. Im Vorfeld abgestimmt hatte man, dass man vor dem Umsetzen die Vorbereitungsmaßnahmen macht. Die Bremer waren später der Meinung, dass dies natürlich im Rahmen der für alle zulässigen Auffahrzeiten passieren müsse. Dies kollidierte allerdings mit dem Abbau in München.
2023 war es besonders eng, da München in dem Jahr am Dienstag den letzten Spieltag hatte. Eine Vermessung parallel zum Abbau in München war jedoch logistisch nicht durchführbar, da man das Personal in München benötigte. Die Folge: unkoordinierter Transportablauf, Abstellen der Container ohne klare Struktur (Fahrerstruktur war ebenfalls schwierig, auch aufgrund unzuverlässiger Fahrerabsagen im Vorfeld), zwangsläufiges Umrangieren und Neuordnen sowie vermeidbarer Zeitverlust.
5. Deutlich verschärfte zeitliche Bedingungen im Vergleich zu früher
Ein entscheidender Punkt ist die Tatsache, dass Veranstalter heute insgesamt deutlich weniger Zeit für Lagerung, Anfahrt, Aufbau und Abbau bereitstellen als noch vor einigen Jahren. Die Zeitfenster sind enger, die Abläufe dichter und die Steuerung komplexer. Ursachen dafür sind straffere Veranstaltungskalender, erhöhte Logistikkosten, weniger verfügbare Lager- und Zwischenstellflächen, mehr Verkehr und parallel laufende Großveranstaltungen sowie strengere behördliche Auflagen. Für eine Großanlage wie den Höllenblitz bedeutet diese Entwicklung, dass selbst geringfügige Verzögerungen zwangsläufig größere Auswirkungen haben. Ein früher möglicher Puffer existiert heute häufig nicht mehr.
6. Öffentliche Wahrnehmung und Auswirkungen auf den Ruf
Durch die äußeren und organisatorischen Zwänge kam es zu Verzögerungen, die öffentlich sichtbar waren. Ein Teil der Beobachter zog daraus voreilige Schlüsse, oft ohne technische, logistische oder organisatorische Kenntnisse der tatsächlichen Abläufe. Dies führte zu einer ungerechtfertigten Rufschädigung sowohl der beteiligten Teams als auch der Verantwortlichen.
7. Respekt vor unternehmerischem Engagement
In der Branche ist seit einiger Zeit ein deutlicher Wandel erkennbar: Echter unternehmerischer Mut erhält immer weniger Anerkennung. Statt Unterstützung dominieren Besserwisserei, Oberflächlichkeit und realitätsferne Erwartungen. Ohne Wertschätzung für diejenigen, die finanzielle Risiken tragen, Arbeitsplätze schaffen und die Attraktivität der Branche sichern, wird der Rückgang großer reisender Projekte weiter voranschreiten.
8. Belastende öffentliche Stimmung und schwierige Rahmenbedingungen
Im Verlauf des Betriebs mussten wir feststellen, dass der Besitz und Betrieb des Höllenblitz zunehmend zu einem Zankapfel innerhalb der Branche wurde. Wir waren häufig starker Missgunst, persönlichen Angriffen und Feindseligkeiten ausgesetzt. Oft wurde über uns gesprochen, statt mit uns das Gespräch zu suchen. Es gibt Meinungen in der Branche, die sagen, dass wir uns mit dem Erwerb der Anlage einem Hirarchienkampf ausgesetzt haben. So wurden nachhaltig Gerüchte gestreut, dass meine Familie wie ich "Bauern", obwohl meine Großväter seit Ende des 19 Jahrhunderts sogar prägende Familien für den Oldenburger Kramermarkt und den Bremer Freimarkt waren.
9. Gründe für das Scheitern eines Verkaufs in Deutschland
Ein Verkauf scheiterte nicht an technischen Mängeln der Anlage, sondern ausschließlich an meiner bewussten Absage an die interessierten Kollegen. Die Verhandlungen waren aus meiner Sicht nicht professionell, nicht tragfähig und teilweise geschäftsschädigend. Die spätere Presseberichterstattung zu meiner Person war eine direkte Folge aus dieser Absage. Die Presse wurde von bestimmten Kollegen auf mich angesetzt. Ich selbst wollte nie Teil einer öffentlichen Diskussion sein und bin aktiv nie an irgendjemanden öffentlich herangetreten.
10. Technische Begutachtung
Vor den Kaufverhandlungen wurde der Höllenblitz technisch inspiziert und in einem sehr guten technischen Zustand bestätigt. Gerüchte, die später entstanden, basierten nicht auf Fakten, sondern auf der Dynamik der Auseinandersetzungen.
11. Persönliche Motivation und emotionale Bedeutung
Der Höllenblitz war ein Stück meiner Kindheit und ein Symbol deutscher Innovationskraft in der Schaustellerbranche. Es war mir ein großes Anliegen, diese einzigartige Anlage zu erhalten, zumal niemand sonst bereit war, dieses Projekt zu übernehmen.
12. Rückblick
Rückblickend war das Projekt weniger durch technische Herausforderungen, sondern vor allem durch ein feindseliges Umfeld belastet. Die Intensität der Ablehnung und des Hasses von Menschen, die mich nie kennengelernt haben, war nicht absehbar.
13. Schlussbemerkung
Der Betrieb des Höllenblitz war ein komplexes Großprojekt, das fortlaufende Optimierung erforderte. Eine faire Bewertung muss alle Rahmenbedingungen berücksichtigen – von pandemiebedingten Folgen über organisatorischen Einschränkungen bis hin zu verschärften Zeitvorgaben. Unternehmer, die solche Herausforderungen annehmen, verdienen Respekt, nicht Vorverurteilungen oder Hass.