Als Jugendlicher Anfang der 00er habe ich des Öfteren bei Auf-/Abbau und Spielzeit ausgeholfen. Ich habe mir damals nicht viele Gedanken gemacht, im Nachhinein betrachtet war es mit Sicherheit nicht legal, aber zu diesem Zeitpunkt irgendwie noch recht gängig, so mein Eindruck jedenfalls.
Ich habe bei völlig unterschiedlichen Geschäften und Betrieben gearbeitet. So divers wie die Geschäfte waren auch die Betriebsklimata und "Unternehmenskulturen". Es war auf jeden Fall sehr interessant und ich möchte diese Zeit nicht missen. Ich habe zum ersten Mal in meinem Leben so richtig gelernt, was es eigentlich bedeutet, sein eigenes Geld zu verdienen und dass es ein knochenharter Job ist, bei dem jeder einzelne Euro hart erarbeitet ist. Ich hab zum ersten Mal an eigener Haut erfahren, was für eine Arbeit hinter all dem Vergnügen steckt und dass man als Typ am Autoscooter mit dem begehrten Schlüssel doch gar nicht so gut dran ist, wenn man jeden Tag über 10 Stunden lang Autos schieben muss. Und dass das dennoch geiler ist als Bodenplatten mit der Sackkarre aus dem Hänger zu holen oder im Hochsommer in der prallen Sonne die Sohle zu verlegen. Egal wie sehr man meint ein "richtiger Kirmesfan" zu sein: Nach 14 Stunden putzen und Chips einsammeln oder Autos schieben hat man definitiv genug von Kirmes. Mit rosaroter Brille und Kirmesromantik ist da dann auch nix mehr.
Ausgeholfen habe ich (teilweise mehrmals) bei:
- Mack Kinderkarussell (Aufbau/Spielzeit)
- Break Dancer (Spielzeit/Abbau)
- 2 unterschiedliche Autoscooter (Aufbau/Abbau/Spielzeit)
- Mondial Shake (Spielzeit/Abbau)
Ranking Anstrengungsgrad/Nervigkeit:
1. Autoscooter
Hammerhart. Beim Aufbau die sauschweren Bodenplatten mit der Sackkarre aus dem Hänger holen und aufpassen, dass man sich nicht irgendwo die Finger einklemmt; Verlegen der Sohle bei 30 Grad im Schatten; die scheiß schwere Plane per Hand über den Dachstuhl ziehen und befestigen. Gut, der Rest geht dann schon, die Spielzeit ist noch deutlich schlimmer: Jeden Morgen putzen, dann 10-12 Stunden lang Autos schieben, den ganzen Tag. Meine Güte ist das ermüdend. Klar, ein Auto kann man dann auch "cool" einparken, aber zuvor muss man erstmal die restlichen Autos in Rekordzeit von der Fahrbahn bringen, damit die nächste Fahrt beginnen kann. Die beginnt meistens sowieso schon während man noch mitten im Getümmel ist und man muss aufpassen, nicht über den Haufen gefahren zu werden. Dann die ganzen Leute, die zu dumm sind einen Chip einzudrücken oder denen kurz vor Fahrtbeginn einfällt, dass sie doch nicht fahren wollen und das Auto mittendrin stehen lassen; verantwortungslose Eltern, die ihre Kinder nicht anschnallen und so weiter.
2. Kinderkarussell
Underrated, ganz klar! Dieses Kinderkarussell von Mack hatte keinen Mittelbau und auch nichts zum Klappen. Es gab nur einen ziemlich langen und schweren Packwagen, mit ziemlich vielen und ziemlich schweren Teilen, von denen jedes einzelne erstmal per Hand aus dem Packwagen geschleppt werden musste. Ich hab das gesamte Geschäft zusammen mit dem Hofsklaven des Schaustellers (so wurde er gehalten und behandelt) alleine aufgebaut. Ich war echt kein Lauch, ganz im Gegenteil, aber das war schon echt eine harte Nummer. Dafür war dann die Spielzeit relativ entspannt.
3. Break Dancer
Spielzeit vergleichsweise lässig, was nicht heißt, dass es nicht trotzdem anstrengend war. Dafür lief gute Musik und man musste nicht während der Fahrt wie beim Autoscooter ständig ein Auge auf die Fahrbahn haben. Beim nächtlichen Abbau gings ordentlich zur Sache, ich glaube wir haben den damals echt in 3-4 Stunden geschafft (war jedenfalls noch stockdunkel als es zum Schlafen ging). Es war zwar nicht hektisch, weil man gemerkt hat, dass das Team super eingespielt war und jeder Handgriff gesessen hat, aber ich habe im Akkord irgendwelche Bleche und Lichtleisten geschleppt (und auch ein paar Lampen kaputtgemacht). An dem Abend hab ich Huss-Geschäfte für ihre unzähligen Einzelteile verflucht. Gefühlt verbringt man die meiste Zeit damit, zwischen Packwagen und Geschäft hin- und herzugehen.