Karussell in Russland verschwunden
Wormser Schausteller-Ehepaar beklagt Verlust seines Eigentums/Verdacht auf Korruption
Das Wormser Schausteller-Paar Adolf und Christine Landgrebe wollte 2003 mit zehn weiteren deutschen Karussellbetreibern im Land der Zaren auf große Tour gehen. Was in Russland als lukratives Geschäft geplant war, endete im finanziellen Fiasko.
Denn die Karussells der Landgrebes sind mittlerweile zerstört, verkauft, versteigert oder unbrauchbar. Schuld soll der russische Zoll sein sowie eine GmbH, die eigens für eine Russland-Tour mehrerer deutscher Schausteller gegründet wurde. "Der Kopf der GmbH war ein Österreicher", berichtet Adolf Landgrebe.
Los ging alles mit einem Inserat der Firma Schwarzkopf im "Komet", der Zeitung des Schaustellerbundes. "Darauf haben wir uns gemeldet, Verträge unterzeichnet", erinnert sich Landgrebe. Ziel war ein Jahrmarkt zur 300-Jahr-Feier in St. Petersburg. Die Wormser wollten dort einen Messebetrieb aufschlagen: den "Star Flight", ein Karussell mit großen Flugzeugen, das den Wormsern von der Pfingstmesse bekannt ist.
Gleich zu Beginn ging es mit Ungereimtheiten los. Vorgesehen war eine Tour von Mai bis 15. September. "Früh gab es Probleme mit dem russischen Zoll. Die haben Sachen erfunden. Abgastests nicht akzeptiert, alles war fadenscheinig. Die Forderungen wurden dauernd erneuert", ärgert sich Adolf Landgrebe. "Sie wollten immer mehr Geld."
Dann kam der nächste Schock: Die nötigen Papiere waren plötzlich verschwunden. Der Zoll kassierte die Fahrgeschäfte ein. Das Problem: Alle Messebetriebe waren von der GmbH eingeführt worden, die Karussells wurden nach russischem Recht der GmbH zugeschrieben. Und die hatte auf einmal keine Papiere mehr. "Daraufhin wurde alles beschlagnahmt und auf einem privaten Platz einfach im Freien gelagert", so Landgrebe.
2006 sollte eine Reise einer Abordnung des Deutschen Schaustellerbundes (DSB) neue Bewegung in den mittlerweile drei Jahre alten Fall bringen. "Es gab eine Reise nach St. Petersburg, unser Geschäftsführer Helmut Gels war mit dabei", berichtet Christoph Jansen, Pressereferent des DSB. In Russland bekam die Delegation dann das ganze Ausmaß des Schadens zu sehen. Gebracht hat der Besuch nichts, außer der Erkenntnis, dass vieles kaputt, einiges bereits verkauft ist.
"Die Ansprechpartner in Russland sagen, sie wüssten nicht, wo unser Karussell ist", sagt Adolf Landgrebe. In seiner Auffassung, dass genau das eine Lüge sei, sieht sich der Wormser bestätigt, ebenso wie in der Vermutung, dass Korruption im Spiel sei. "Unser `Star Flight` ist versteigert worden. Und zwar an die, die ihn uns schon einmal abkaufen wollten. Das ist alles eine abgekartete Sache, alles war geplant, von der GmbH bis hin zu den Versteigerungen."
Für ihn und seine Lebensgefährtin heißt es, nach dieser Reise nun einen kompletten Neuanfang zu wagen. Landgrebe ist deprimiert: "Es geht weiter, aber wir beginnen mit allem wieder von vorne." Mit einer Lösung in diesem Konflikt rechnet das Schausteller-Paar nicht mehr. Privatrechtliche Schritte können sie zwar einleiten, aber "wir müssten dann alles aus unserer Tasche bezahlen. Und das ist zu teuer".
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